Vom Teig, der aufgeht

Wie ein zäher Teig wälze ich mich aus der Türe. Jeder Schritt ist schwer, zäh und dauert lange. In mir drinnen ist alles verschlossen und trotzdem gehe ich fast über, bin unklar und unrund. Und weiß gar nicht so recht, warum.

Ich gehe weiter, bei jedem Schritt kommt es mir so vor, als würde ich als Teigkugel nach vorne rollen, bewege mich langsam, müde und schwer. Nicht mein Körper fühlt sich so an, eher mein Geist. Ich bin immer noch pampig, in mir drinnen. Meine Füße scheinen zu kleben, der Teig lässt mich nicht los.

Es dauert eine Weile. Der Weg, den ich hinter mir lasse, wird länger und ich merke, wie sich mein Teiggefühl schön langsam zu verlagern scheint. Bei jedem Meter, jedem Stein, jedem Atemzug mehr ist es, als würde ich durchgeknetet. Als würden die Bewegung, die Sonne, das Reden drüber mich leichter machen, luftiger und weniger zäh.

Die Schritte werden schneller, die Teigkugel, die ich fühle, ist nun eher eine Teigrolle, dann ein langgezogener Teig, der sich zwar nicht ganz aufgelöst hat, sich aber viel mehr dem anpasst, was ich mache. Die Bewegungen werden leichter, der Teig umgibt mich nur noch stückchenweise und lässt mich gehen, während er aufgeht.

Weiter und weiter gehe ich und streife langsam die Teigreste ab, lasse sie hinter mir liegen und kann mich wieder freier bewegen, mich freier ausdrücken, freier und klarer denken.

Teigmomente. So fühlen sie sich manchmal an. Wie gut, dass es das Gehen gibt. Sonst wäre ich heute nicht aufgegangen und hinaus wahrscheinlich auch nicht.

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