Verklärt?

Einer der Gründe, warum ich schreibe, ist ein sehr praktischer: Durch das Niederschreiben meiner Gedanken und Gefühle, kann ich das, was in mir ist, erklären. Ich stelle klar, indem ich (mich) erkläre.

Warum mir das so wichtig ist, weiß ich nicht. Doch die Dringlichkeit, mich zu erklären, habe ich wohl schon immer.

Wenn ich etwas mache, habe ich meist eine Erklärung dazu. Für mich, für die anderen. Wenn ich etwas ändere, habe ich eine Erklärung parat. Für mich, für die anderen. Wenn ich nichts mache, ploppt in meinem Kopf schnell eine Erklärung auf. Für mich, für die anderen.

Bekomme ich eine Frage gestellt, beinhaltet die Antwort meist eine Erklärung.

Warum ich das mache, weiß ich nicht. Doch ich habe Vermutungen.

Ich nehme mich oft als anders wahr. Nicht (mehr), weil ich das so muss oder möchte, sondern weil es so passiert. Was ich (nicht) mache, kann ich oft schwer einordnen, schwer vergleichen. Und hier wollte ich schon die nächste Erklärung à la „ja, ich weiß, wir sind alle unterschiedlich, blabla“ einfügen.

Während ich diese Zeilen tippe, fällt mir etwas auf: Mit meinen Erklärungen versuche ich Brücken zu bauen, versuche das Gegenüber nicht im Dunklen tappen zu lassen, versuche eine Verbindung zwischen mir und den anderen herzustellen. Ich versuche, meinem Inneren Worte zu verleihen.

Wenn ich (mich) erkläre, nehme ich vieles an: Einerseits, dass mich mein Gegenüber nicht verstehen wird oder kann und daher eine Erklärung von mir braucht und andererseits, dass ich durch das (mich) Erklären versuche, dazuzupassen, mich einzufügen, einzuordnen und dadurch greifbarer zu werden. Was auch noch passiert, ist, dass ich niemanden vor den Kopf stoßen will und meine Erklärung anpassen kann an die Interessen oder (Un-)Annehmlichkeiten meines Gegenübers, um so die noch nicht entstandenen Wogen zu glätten.

Ganz. Schön. Viel.

Ich möchte es mal versuchen, einfach „Ja.“ zu sagen, ohne eine Erklärung nachzuschicken. Einfach zuzustimmen oder abzuwinken, ohne die Klarstellung meiner Entscheidung zu forcieren.

Was dieser Text soll?

Erklären, warum ich erkläre.

Was das ist?

Eine Erklärung.

, ,

Mehr zu lesen…

Für mich gemacht
Vorsichtig tupfe ich lilanen Nagellack in die Mitte meines Fingernagels. Die Form …
Rau und samtig
Da steht er, mächtig und doch so zart. Mit seinem weißen Kleid, …
Bitte viele Umstände!
Eines meiner Lieblingsspiele als Kind war Activity. Zu Spitzenzeiten musste dieses Spiel …
Als hätte jemand mit der Landschaft gespielt
Wir sitzen am weitläufigen Gipfel, hinter uns ragen hohe Berge in den …