Unerhört!

Seit Kurzem singe ich bei einem Chor. Mit einem Chor. In einem Chor. Das finde ich sehr schön, sehr unterhaltsam und es bewegt mich auch, das merke ich.

Unsere Chorproben sind ausgesprochen ausgelassen (wenn wir nicht grade auf ein großes Konzert hin üben) und was wir machen, wird ernst genommen, aber nicht bewertet. Ich singe irgendwo mittendrin, bin eine Stimme von vielen und genieße das auch (mal) sehr.

Doch mir ist etwas aufgefallen: Manchmal, da höre ich mich selber nicht. Diesen Zustand kenne ich nicht wirklich und kann ihn daher auch nicht gut einschätzen.

Wenn alle in der gleichen Tonlage singen, gehen die einzelnen Stimmen, zumindest für mein Gehör, unter. Ich weiß, ein Chor besteht aus dieser Magie – verschiedenste Stimmen in einem Klang, gemeinsam klingend, gemeinsam singend (falls der Chor einen neuen Slogan braucht – here it is!). Doch diese Magie verliert auch manchmal ihren Zauber. Nämlich dann, wenn ich nicht mehr weiß, was ich gerade singe oder singen soll, weil ich meine eigene Stimme nicht wahrnehmen kann.

Dann muss ich mir ein Ohr zuhalten oder irgendwie einen kleinen Raum um mich schaffen, um den Ton zu hören, den ich gerade von mir gebe.

Um dieses ganze Gesangslalala auf die Welt zu übertragen, versuche ich meinen dahinterliegenden Gedanken etwas auszuformulieren: Wenn wir Teil von etwas sind (einem Chor, einer Gruppe, einer Gesellschaft) und alle das Gleiche machen, kann es sein, dass die eigene Stimme (im weiteren Sinne) untergeht. Zwar ist sie Teil dieses Gesamtklangs, kann dann aber nicht mehr von den anderen unterschieden werden.

Um uns selbst zu hören, braucht es auch den Kontrast – im Chor zum Beispiel die ganz hohen oder ganz tiefen Stimmen. Um unsere Stimme (und das, was wir mit ihr sagen und bewirken wollen) selbst wahrzunehmen, müssen wir ab und an auch mal etwas abseits alleine singen oder kurz mal nur zuhören, um dann wieder in unsere Stimmlage zu finden.

Denn auch, wenn es wichtig ist, dass wir gemeinsam (gut oder wie auch immer) klingen, geht das nur, wenn wir uns dabei selbst hören.

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