Übersetzung meiner Gedankenwelt

Wenn ich denke und spreche und schreibe, machen sich Bilder in mir breit. Diese sind manchmal sehr klar und manchmal kann ich nur ihre Umrisse erahnen, sie an ihren Farben erkennen oder ihre Formen erspüren.

Um sie greifbar zu machen, versuche ich sie zu beschreiben, versuche sie auf den Boden der Tatsachen zu holen und manchmal, da beginne ich dabei zu schweben.

Ich halte mich fest an der Schnur, die dieses Bild, das mir vorschwebt, mit mir zu verbinden versucht. Doch manchmal ist der Zug groß und die Versuchung auch, sodass ich mich Schritt für Schritt leichter mache und meine Füße den Boden immer länger verlassen, bis ich davonschwebe in diesem Bild.

Und wenn ich dann so nach oben schaue, sehe ich diese Erscheinung. Sie ist schmiegsam, sie ist biegsam, sie weitet sich aus und zieht sich wieder zusammen. Sie bewegt sich mal langsamer, mal schneller, je nachdem, wie der Wind um sie weht und welchen Hindernissen sie auszuweichen hat.

Und so ungreifbar wie diese Erscheinung, so unantastbar wie sie sich verhält, so sind es auch meine Gedanken. Wenn ich versuche, sie an der Schnur herunterzuziehen, um sie für mich und andere greifbarer zu machen, verstricke ich mich oft. Und anstatt fassbare, ja haltbare Gedanken zu formulieren, kreise ich und schwebe und lasse durch Finger gleiten und behirne und enthirne und schicke Ideen mit Kussmündern durch die Ewigkeit und lasse mich mitreißen von meinen eigenen Gedankenströmen, die wie Wildwasser den Berg hinunter rauschen. Und all das mache ich in Bruchteilen von Sekunden. Und all das mache ich unbewusst. Und all das macht etwas mit mir.

Was ich sagen will.

Meine Gedanken sind für mich mehr als greifbare Worte, die ich herunterbrechen und auseinanderklauben und einteilen kann. Meine Gedankenwelt ist so weit und so laut und so still manchmal. Meine Gedankenwelt ist nicht unbedingt nachvollziehbar für Außenstehende. Die Übersetzung meiner Gedankenwelt funktioniert manchmal weder simultan noch in die erwarteten Sprachen.

Meine Gedankenwelt ist meine. Und darin mache ich es mir gemütlich. Und heimelig. Und darin gibt es nie zu viele Unds. Und auch, wenn ich konkreter sein könnte und auf den Punkt bringender und deutlicher, so ist meine Gedankenwelt doch mehr als Funktion und Rationalität und Klarheit.

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