So fad, oh so fad

Es war an einem Montagnachmittag.

Mir war fad. So fad.

Natürlich hätte ich etwas machen können. Etwas machen sollen. Etwas machen müssen sogar vielleicht.

Doch.

Ich ließ die Fadheit einziehen in mein Haus. In meinen Kopf und meinen Körper.

Und oh, wie sich Fadheit ausbreitete! Als wisse sie ganz genau, was zu tun sei. Wie eine fade ausgewaschene Decke, die nicht mehr richtig wärmt, umgab sie mich. Wie ein verwässertes Getränk, ein viel zu gespritzter Himbeersaft, der nur noch den blassrosaroten Schimmer dessen in sich trägt, was er einmal war. So schmeckte sie, die Fadheit. Nach fast nichts.

Die Fadheit war so präsent, dass es fast schon lustig war. Ich erinnerte mich an die endlosen Regentage in den Sommerferien als Kind. An denen ich bereits am Vormittag alles – und damit meine ich alles! – ausgespielt hatte, an denen der Fernseher zwar da, aber nicht reizvoll genug war. An denen alles fad, so fad war, dass es fast wehtat.

Und so ein fader Nachmittag schlich sich an besagtem Montag bei mir ein.

Zu träge war ich, um aufzustehen, zu gelangweilt, um auf der Couch liegenzubleiben. Lesen war zu anstrengend, Fernsehen zu öde. Zum Arbeiten reichte meine Kreativität nicht und zum Genießen war meine Energie zu hoch.

Ich könnte jetzt sagen, in der Fadheit sprießen die Ideen und der Kopf braucht diese Pausen und der Körper zeigt mir eh blabla – kann schon sein. Aber mir war fad. Und daran war nichts gut und nichts schlecht.

Es gab auch keinen Ausweg, aus echter Langeweile gibt es keinen Ausweg. Man muss sie aushalten und abwarten, diese lange Weile.

Tja, so ist es eben manchmal. Und wenn ich so drüber nachdenke (und -schreibe), grinse ich und freu mich auf die nächste Fadheit. Irgendwie.

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