Pizzaparterschaft

Ich beobachte dich. Sehe, wie du gekonnt das Mehl in die Schüssel leerst, das Öl darüber tropfst und das Salz zwischen Zeigefinger und Daumen über die Mehlmasse priselst.

Ich stehe vorm Kochtopf, werfe Knoblauchstückchen ins heiße Öl und gebe einen Rosmarinzweig dazu. Ein feiner Duft verbreitet sich. Ich füge die Tomatenstückchen dazu und ein lautes Zischen steigt in die Luft.

Du bist mit dem Teig beschäftigt. Schließlich soll dieser gut werden. Und das braucht Zeit, davon bist du überzeugt.

Während die Tomaten köcheln, knetest und knetest du und ich bereite die restlichen Dinge zu. Schneide Champignons, reibe den veganen Pizzakäse und heize den Ofen vor.

Manchmal, da denk ich mir, dass ich viel mehr tue als du. Manchmal habe ich das Gefühl, dass alles, was ich mache, zusammengerechnet so viel wichtiger ist, als das, was du machst. Ein etwas überhebliches Gefühl, das weiß ich. Und dann schaue ich dir beim Kneten des Pizzateigs zu.

Ich schaue dich lange an und bewundere dein Fingerspitzengefühl und vor allem deine Geduld, die ich in manchen Momenten vergebens suche. Während ich von einer Ecke zu anderen sause, ja fast hetze, stehst du ruhig da und widmest dich voll und ganz deiner Aufgabe, dem Teig. Denn dieser braucht Aufmerksamkeit und Zeit. So ist das nun mal.

Während ich dir da so zuschaue – schließlich bin ich dank meiner Schnelligkeit bereits mit all meinen Aufgaben fertig – merke ich etwas. Diese Pizza kann es ohne uns beide nicht geben. Wohin sollte denn die Tomatensoße, wenn es keinen Teig gibt? Und was soll der Teig ohne jeglichen Belag sein? Natürlich können wir beide alleine Pizzabacken. Doch nicht in der Qualität, die wir gemeinsam erschaffen. Und außerdem ist der Weg das Ziel, in vielerlei Beziehung(en).

In unserem Leben braucht es uns beide. Für so viele Dinge, im Haus, im Kopf, im Herzen. Welch ein Glück, welch ein Segen, dass wir einander haben. Dass wir den *Teig* und die *Soße* (und alles, das an dieser Stelle eingesetzt werden kann) nicht alleine machen, erledigen, (er)tragen müssen. Dass wir uns die Aufgaben, die Gedanken, die Tätigkeiten, die Sorgen, die Glückseligkeit, die Schwere und die Leichtigkeit – den Teig und die Soße eben – teilen und aufteilen können. Dass wir uns ergänzen, uns aufeinander verlassen und Dinge abgeben können, die wir in diesem Moment nicht alleine schaffen (wollen).

Als die Pizza im Ofen brutzelt, blicke ich noch einmal zurück – auf diese Gedanken. Und ich stelle fest: Ich hab den besten Pizzapartner und das ist die wohl tiefsinnigste Pizza, die wir je gemacht haben.

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