Instandhaltung

Mit meinem Scooter düse ich die Straßen entlang. Mal rumpelts unter mir, mal rolle ich ganz glatt dahin. Mal muss ich mehr Kraft aufwenden, mal trägt mich dieses kleine Gefährt wie der Wind durch Straßen und Gassen.

Und während ich da so dahin rollere, habe ich einen Gedanken. Einen wenig charmanten, vielleicht: Ich mag Dinge, die keiner Instandhaltung bedürfen.

Dieser Roller begleitet mich seit Jahren und auch, wenn er lange Zeit als Dekoration in der Garage diente, so ist er doch vielbefahren. Hat verschiedenste Untergründe mitgemacht und brauchte seit seiner Anschaffung nicht ein einziges Service, geschweige denn eine Reparatur. Immer konnte ich ihn einfach schnappen und drauflos treten. Konnte ihn ignorieren und er blieb funktionstüchtig. Kein Murren, kein Klackern, kein Problem.

Ich mag Dinge, die keiner Instandhaltung bedürfen. Dinge, um die man sich nicht unbedingt kümmern muss und die immer funktionieren. Dinge, die nicht kaputt werden und deren Existenz alleine dadurch bestehen bleiben, dass sie da sind.

Jetzt weiß ich aber auch, dass es so nicht geht. Dass alles, ja fast alles, instand gehalten werden muss. Bäder und Autos und Beziehungen und Körper. Geschirrspüler und Pflanzen und Fahrräder und Computer. Gesellschaften und Systeme und Wissen und Freundschaften.

Dieser Gedanke ist mit diesem Gegengedanken auch schon zu Ende. Denn was soll ich mir denn wünschen? Dass alles immer gleich bleibt? Dass es keine Spuren oder Veränderungen gibt? Dass das, was ist, das sein soll, was sein wird? Für immer?

Instandhaltung heißt auf dem jetzigen Stand halten? Heißt so belassen, wie es ist? Aktiv so belassen, also nicht belassen, sondern so verändern, dass es instand bleibt?

Und so rollen wir vom Hundertsten ins Tausendste – wissend, dass wohl nichts und niemand je so leicht sein wird wie das unfassbar unkomplizierte Leben meines geliebten Scooters.

Over and out.

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