Einatmen. Ausatmen. Ein. Aus.

Ich denke daran. Habe es vor, will es machen.

Nehme meine Matte, breite sie auf dem Boden und breite gleichzeitig in mir Vorfreude aus. Ich setze mich auf die Matte, berühre den Startknopf*.

Ich höre die Anfangsmusik, die Begrüßung und beginne tiefer zu atmen. Die Vorfreude verwandelt sich in Freude. Ich spüre in mich hinein. Spüre, wie das Einatmen meinen Bauch- und Brustbereich weiter macht. Ich spüre, wie sich meine Schultern leicht anheben und beim Ausatmen sinke ich. Sinke auf den Boden, lasse mich fallen, obwohl ich sitze. Ich fühle mich gut aufgehoben, stark und leicht gleichzeitig.

Ich atme langsam ein. Ich lerne mit jedem langsamen Atmen, dass ich es bin, die meinen Atmen kontrollieren kann. Ich atme langsam aus. Lange. Atme alles aus. Mein Herz wird ruhiger.

Langsam beginnt die erste Position. Ich spüre meine Knie und Handflächen auf der Matte. Drücke meine Finger gleichmäßig in den Boden. So ist es für keinen zu viel, für keinen Finger und auch das Handgelenk dankt es mir. Meine Wirbelsäule ist gerade, mein Nacken eine Verlängerung der Wirbelsäule. Ich atme gleichmäßig ein und aus. Ich beginne mit meinem Körper zu spielen. Bewege mich in all die Richtungen, die möglich sind, hier auf dem Boden, auf meinen Knien und Händen.

Tief atme ich ein, beim Ausatmen drücke ich meine Hüften nach oben hinten. Meine Beine strecken sich, meine Arme sind stark. Ich atme ein und beim Ausatmen sinke ich tiefer in dieser Position. Ich bleibe hier, es ist eine angenehme Position. Nach einigen Atmenzügen hebe ich beim Einatmen mein rechtes Bein, ganz nach oben. Ich beuge mein rechtes Knie und öffne meine Hüften. Mein Körper ist gebeugt und zugleich weit geöffnet. Ich atme ruhig. Ich atme in meinen ganzen Körper. Ich bringe das Bein wieder zur Erde, atme aus. Ein. Aus. Ein. Aus.

Ich wiederhole das mit dem anderen Bein und bin wieder ganz offen, ganz achtsam.

Ich mache kleine Schritte an den vorderen Rand meiner Matte. Mein Kopf ist vorne über gebeugt, meine Arme baumeln, die Fingerspitzen berühren den Boden. Meine Knie sind leicht gebeugt. Ich atme. Mein Kopf ist schwer, mein Rücken wird leichter. Meine Schultern dürfen alles fallen lassen, das sie schwergemacht hat. Langsam atme ich ein und aus und komme Stück für Stück wieder zum Stehen.

Ich stehe. Merke, wie ich fest verwurzelt stehe. Meine Füße sind ganz am Boden. Die Zehen, die Seiten, die Fersen. Ich stehe gerade und aufrichtig. Beim Einatmen richte ich mich noch weiter auf, beim Ausatmen merke ich, wie ich tiefer verwurzelt werde. Ein. Aus. Ein. Aus.

Ich bin stark. Stehe voll im Leben. In dieser Position fühle ich mich so verbunden, so lebendig. Mein Blick ist geradeaus. Meine Mundwinkel sind nach oben gezogen. Ich habe die Sicherheit von unten und die Freiheit nach allen Seiten.

Langsam strecke ich meine Arme nach oben. Ich atme tief ein. Schaue nach oben. Atme aus. Atme ein. Als würde ich etwas ganz Großes, Wichtiges über mir halten. So fühlt es sich an. Und dieses Große, Wichtige, das hole ich beim nächsten Ausatmen ganz nah zu mir. Ich bringe es zu meinem Herzen. Atme ein, atme aus.

Beuge meinen Kopf zu meinem Herz, zu meiner Hand. Atme noch einmal tief ein. Der tiefste Atemzug, den ich den ganzen Tag genommen habe.

Ich fühle mich frei, stark und geliebt. Ich fühle mich wohl, warm und bereit. Ich fühle mich gut. Richtig gut.

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Danke fürs Mitreisen auf dieser kleinen Yogareise, die ich seit über hundert Tagen nun jeden Tag mache. Und von der ich so schnell nicht zurückkehren werde. Namaste.

(*Yoga with Adriene. Ich kann sie aus tiefstem Herzen empfehlen.)

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