Bitte viele Umstände!

Eines meiner Lieblingsspiele als Kind war Activity. Zu Spitzenzeiten musste dieses Spiel jeden Tag herhalten. Die Karten waren abgegriffen, die Begriffe abgekartet. (Das stimmt so nicht, aber diesen Wortdreh hab ich mir nicht verkneifen können.) Jedenfalls konnte und kannte ich jeden Ausdruck, der auf jeder Karte stand und so begann dieses Spiel recht schnell recht langweilig zu werden.

Bis wir diese eine, zündende Idee hatten. Meine beste Freundin und ich vergnügten uns nicht mehr mit einfachen Erklärereien. Wir reizten das Spiel bis zum Maximum aus, indem wir die Wörter so umständlich wie möglich erklärten.

Was ich damit meine?

Ganz einfach! Wenn das zu erklärende/erratende Wort beispielsweise „Apfelbaum“ war, war die Erklärung wie folgt (ich versuche zu rekonstruieren):

„Der erste Buchstabe des Alphabets“ – A
„Ein Ausdruck, wenn dir etwas nicht gefällt“ – PF
„Er auf Spanisch“ – EL
„Die Eine, die Eine oder keine für keine andre Frau ging ich lieber in den -“ – BAU
„Der Laut, der aus deinen Lippen kommt, wenn du sie fest aufeinanderpresst“ – M

All das musste natürlich innerhalb der vorgegebenen Zeit geschehen, doch ums Gewinnen ging es lange schon nicht mehr. Was wir spürten, war pure Unterhaltung, die wir uns selbst schufen. Das war der größte Gewinn.

Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, WIE viel Spaß wir daran und dabei hatten! Jedes noch so einfache Wort wurde zu einer kreativen Meisterinnenleistung. Jeder Ausdruck wollte von uns zerlegt, zerklaubt, ja zerrüttet werden, um dann wieder zusammengefügt werden zu können.

Mit einem großen Grinsen denke ich jetzt noch oft zurück an diesen genialen Einfall. Immer schon waren es Worte gemischt mit einer ordentlichen Portion Kreativität, die mich zutiefst erfreuten und unterhielten, die mich aufwachen, erschaffen und Grenzen ausweiten, wenn nicht sogar sprengen ließen – und lassen.

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